Mittelalterstädtchen, Wein, ein paar schöne Treffen, Wein, ein Juwel, Wein, und was natürlich immer sein muss

 

Wir verbrachten eine erwartungsgemäß ruhige Nacht in Cetona, allerdings wurde „unser“ Stellplatz am Morgen für eine Einschulungsfeierlichkeit genutzt und der örtliche Kollege „vertrieb“ uns; 80 Meter weiter standen wir bereits wieder gut.

Montepulciano hieß unser nächstes Ziel, sicher eines der „must see“ in der Toscana. Und natürlich liegt das mittelalterlich gebliebene Städtchen wunderbar, so majestätisch (wie allerdings viele hier) auf dem Hügel! Unsereinen durchzuckt das dann allerdings immer erst, denn das bedeutet automatisch eng, kein Platz, definitiv kein Platz für Wohnmobile! Und so war es dann auch, allerdings fährt bei uns der Welt bestes lebendes Navi mit, so dass wir auf einem Parkplatz am Friedhof einen Platz fanden, der einerseits sogar kostenfrei, andererseits so dicht an der Altstadt lag, dass wir zu Fuß gut hingelangen konnten.






Die Stadt lebt vom Tourismus, unübersehbar. Für uns beinahe schon wieder zu viele Menschen, und bald jeder shop für Touris, aber gut, wir selber machten auch Weinproben und kauften einige Fläschlein vom berühmten Örtlichen.

 

Wir hatten gar nicht erst geplant, da zu bleiben, also fuhren wir später weiter bis Montalcino. Auf der „Grünfläche“ einer Weinerei standen wir bestens, und obwohl es sich zuzog und nicht mehr wunderschönstes Wetter herrschte, konnten wir mal wieder den Grill auspacken. Eigentlich „mussten“, denn dringend sollten mal ein paar Fressalien aus der Kühltruhe raus! Also gab es eben Merguez, Chickenlegs und Rinder- Entrecote vom Grill, in dieser Reihenfolge…

 

Erst am nächsten Tag machten wir uns nach einigen Überlegungen zu Fuß auf in die drei Kilometer entfernte Stadt. Per Fahrrad – uns fehlen ja die „E- Teile“...  - schien es zu stressig, per Fahrzeug unmöglich mangels Abstellplätzen. Und dann war ja da noch der örtliche Wein, denn immerhin befanden wir uns in der Heimat des nicht minder berühmten „Brunello“. Da ist es nicht verkehrt, zu Fuß unterwegs zu sein. Logisch, dass wir uns (also ich mich) eindeckten.







Angenehme Nächte verbrachten wir in Montalcino, einzig dass die Wandersfrau mit einem Schnupfen kämpfte, störte ein bisschen. Wurde aber besser. Tatsächlich kam dann schon wieder ein Treffen zustande! Carmen und Armin befanden sich im Bereich, und wir trafen uns zuerst auf eine wunderschöne Wanderung durch die „Crete Senesi“, die einen zum Teil „auf den Mond“ versetzen, danach zum ein paar Kilometer entfernten Stellplatz in Asciano südöstlich von Siena, wo wir mit etwas Dusel zwei Plätze direkt nebeneinander fanden. Klar, dass wir Spaß hatten, erst beim Nachmittagskaffee, dann in der örtlichen Osteria und schließlich beim Quatschen mit Rotwein. Auch, wenn ich aus einem Weißweinglas trinken musste, denn meines für den Roten war morgens aus was weiß man welchem Grunde defekt. Und weder die Suche in einem Laden im Ort noch freundliches Belabern der Bedienung half dabei, ein neues zu bekommen… Wobei das absehbar war, verstand sie doch nicht einmal grundlegendes Schwäbisch! Sie konnte nämlich meine Frage „Hennd‘or dia Henna?“ nicht beantworten…

 

 



 




Morgens trennten sich unsere Wege, denn die einen zog es ans Meer, wir wollten ins Chianti fahren, die „Reiseleitung“ hatte bereits zwei Wandertouren ausgearbeitet…

Allerdings wurde daraus nichts. Zuerst stellten wir in dem winzigen Bergdorf Volpaia (Originalansage auf der Anfahrt: „Da werden wir komplett alleine stehen“) entsetzt fest, dass ja Samstag war und wirklich jeder denkbare und undenkbare Platz zum Parken oder Stehen belegt war. Eher überbelegt. Aussichtslos für uns, also fuhren wir stattdessen zurück nach Radda. Ähnliches Spiel, klar, hier schert sich keiner, ob Plätze für WoMos reserviert sind, alles war vollgeparkt. Und ohne Aussicht, dass irgendwer wegfährt. Nächstes Ziel: Castellina in Chianti. Okay, da war Markt auf dem eigentlichen Stellplatz, trotzdem hätten wir etwas gefunden, wenn nicht Pkw’s auf eben diesen WoMo- Stellplätzen geparkt hätten. Immerhin, es lichtete sich und wir standen bald. Während Miss Latsch ihrem Wanderdrang nachgab und sich bereits fertig machte, konnte ich es mir nicht verkneifen, der lieben Wiesbadenerin, als sie dann ihren Pkw bestieg um wegzufahren, einen satten Einlauf zu verpassen, indem ich ihr zu ihrer Nichtintelligenz, da lese- unfähig, gratulierte…






 

 


Die beste Ehefrau von allen (danke, Ephraim!) brachte von ihrer zügig gestarteten Wandertour um Castellani ein Rotweinglas mit! Ein schönes, mitsamt dem „Gallo Nero“ des Chianti drauf. Sie hatte es sogar geschenkt bekommen, unfassbar, und eine eigene Geschichte!

So entschieden wir, einfach zwei Tage hier zu bleiben und am zweiten Tag eine Chianti- Weinprobe zu machen, und den Chianti – der ja eh eingekauft werden musste – eben dort in der Enotega zu besorgen. Nach einem knapp zweistündigen Spaziergang und ab und zu begleitet von etwas Nieselregen (…) erreichten wir die kleine, an sich unscheinbare Stadt und als geöffnet wurde, standen wir auch bereits bereit, und ich suchte aus den sechs getesteten die richtigen Fläschlein für mich heraus; was jetzt nicht so schwierig war.

 

 

Das Wetter blieb unbeständig an dem Tag. Mal blauer Himmel, mal Wind und etwas Regen, mal kühl und wolkig. Naja, so war es eigentlich schon ab Freitag angesagt, aber Besserung sollte kommen, ab Montag schon.

 

Auch die zweite Nacht auf dem Platz wurde eine ruhige. Schon morgens fiel die Entscheidung, dass wir uns am Dienstag tatsächlich bei Montaione treffen, dort auch zusammen essen und dass wir unser „Schlafzimmer“ auf dem dortigen Parkplatz abstellen können. Nach dem üblichen Morgenprozedere (sieht etwa so aus: Madame macht eine Stunde Gymnastik vor dem WoMo, während ich den kaum nötigen Schönheitsschlaf fortsetze und dann mal nach news im Netz schaue, Frühstück richten, frühstücken, WoMo richten, saubermachen, Entsorgen, Versorgen) fuhren wir über Poggibonsi (doch, doch, so heißt das etwas größere, aber ebenso unscheinbare Städtchen), wo wir einkauften, was auf der bereits wieder beachtlichen Liste stand, bis Certaldo. Zuerst mussten wir dort sogar warten, bis ein Platz, so günstig an der Altstadt gelegen, frei wurde; klappte aber. Und lohnte sich! Zwar begann es zu regnen, bedeckt war sowieso, zwar gab es das ein oder andere Gewitter, aber die Altstadt (in sich geschlossen auf dem Hügel) erstattete uns alles mehrfach zurück! Wir waren beide erstaunt und erfreut!





 

 



Tatsächlich gefiel uns Certaldo ganz, ganz außergewöhnlich gut und man darf das (weil es ja fast nie irgendjemand auf der Liste hat, wenn er „in die Toskana“ sagt) durchaus als nicht wirklich geheimen „Geheimtipp“ verkaufen! Lohnt absolut.

Auch diese Nacht war ruhig, der Stellplatz liegt gut. Nachdem alles erledigt war, was anlag (wie zB einige der Dämpfer – ein Selbstbau – für die Herdabdeckplatte zu erneuern), blieb noch Zeit. Die „Langhaarige“ in der Reisegruppe nutzte diese für einen Spaziergang, allerdings mit Hintergedanken. Denn kaum war sie zehn Minuten verschwunden, da vermeldete sie bereits, sich einen Friseurtermin um die Ecke organisiert zu haben…

 

In der Nähe von Mantione trafen wir uns mit den dort gerade urlaubenden Meggie und Jürgen. Aus einer Neun-KM- Wanderung machten wir eine über 15, dafür ging es aber reichlich auf und ab. So hatten wir uns das Abendessen in schnieken „Casa Masi“ doch verdient, und sowohl die Tagliolini mit schwarzem Trüffel (reichlich übrigens) wie das Kaninchen mit Kaninchenleber gefüllt als auch der Baccala (ein Fischlein) belohnten uns. Der Abend klang bei etwas Rotwein in der Laube der beiden aus.




Wir frühstückten zusammen, da wir auf dem geräumigen Parkplatz übernachten konnten, danach fuhren wir ins „must see“ San Gimignano, wo wir außerhalb einen akzeptablen Stellplatz mit guter Busverbindung fanden. Tatsächlich trafen wir die beiden dann noch einmal in der Stadt, da dies auch auf ihrem Tagesprogrammstand.

 

 







Natürlich gehört das so genannte „Manhatten der Toskana“ ins Programm, und es war gar nicht so voll wie befürchtet. Abseits der Hauptrouten erst recht nicht. Und logisch, wenn der Speiseeis- Weltmeister hier eine Filiale betreibt, dann nehmen wir auch eins…


Es gab Spaghetti- Vongole und Salat am Abend, und wir konnten relativ lange draußen sitzen.


Da wir ja eine konkrete Planung aufgegeben hatten, entschieden wir kurzfristig, in Volterra vorbei zu sehen, an sich auch eine zwingend zu besuchende Stadt; doch wir machten es davon abhängig, ob wir einen guten Platz finden. Dies gelang, nachdem wir noch einige Kleinigkeiten eingekauft hatten. Wir standen nicht lange, sondern machten uns gleich auf und wanderten erst hinauf in die Stadt, dann (logisch) auch weit jenseits über die  Stadtgrenzen hinaus zu den interessanten Landschaftsformationen „Le Balze“ – wo sonst natürlich kein Tourist zu sehen war.


 

 



 



Zurück aus der Alabasterstadt, in der es für die Interessierten auch eine Menge Ausgrabungen aus der Etruskerzeit gibt und ein halb zerfallenes (naja, dreiviertel) „teatro romana“, planten wir aufgrund des bevorstehenden Wochenendes doch die kommenden Tage vor.

 

Da sollen auch „Ruhetage“ folgen, mal schauen. Wer hier mitliest, der wird es erfahren, auf diesem Kanal, wenn Zeit und Netz ist, wie immer. Bis dahin wünschen wir allen alles Gute, besondere Glückwünsche an die Geburtstagskinder der letzten Tage und senden herzliche Grüße aus der mild- warmen Toskana.

 

Marion „Ich-könnt-das-nochmal-laufen!“ &

 

               Tommy „Wia-weid-send-dia-Henna?“

 

 

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