Andere Wandersleute, nerviges Wetter, nochmal Kelten und Scheurebenalarm
Von dem wirklich gut gemachten Stellplatz in Herrstein verlief die nächste Etappe, die noch immer eine des „Saar- Hunsrück- Steigs“ war, bei rechtzeitig einsetzendem Regen bis nach Reinhardtsmühle; ganz bekannt eigentlich… Für die nächste Nacht hatten wir geplant, einen der im Ziel nahen Ort Rhaunen verfügbaren Stellplatz zu nutzen. Während die Wanderkönigin also unterwegs war, sah ich mir den Stellplatz vorab an, aber, naja, das war irgendwie nix! Mitten im Ort auf einem normalen Parkplatz, geschätzte 20 % Gefälle, also wir haben ja auch „Urlaub“! Da ich sie sowieso irgendwo im Zielbereich aufnehmen musste, war klar, dass wir anderswo übernachten.
In Reinhardtsmühle (niemals zuvor gehört natürlich!) fand ich sie dann, quatschend mit zwei weiteren Wandersleuten, die unabhängig voneinander (und mit mächtig Gepäck…) den auch für das Wuschele noch kommenden „Soonwald- Steig“ erwandern wollten, mit Übernachtung im Zelt (die eine oder ganz im Freien (der andere). So mit Minikocher und Tütensuppe. Mir wurde ein bisschen elend und ich hantierte derweil am WoMo. Erleichtert stellte ich dann bei den beiden stark geweitete Nasenflügel fest, als ich etwas später vom für uns anstehenden Abendessen erzählte …
| "Extremwanderer" - also die "Ohne Essen"! |
Wir fanden einen supertollen, recht großzügigen Platz nahe der Ruine der „Schmidtburg“ bei Bundenbach, wo wir absolut alleine standen und es extrem ruhig war. Und, welch Vorteil, exakt auf der Strecke der Etappe für den kommenden Tag.
Klar, dass wir in Richtung der Burgruine wanderten einerseits, und auch das dort in der Nähe befindliche keltische Dorf (sehr gut rekonstruiert!) besuchen wollten andererseits. Allerdings schloss dieses eine Minute bevor wir es erreichten, so blieben nur Fotos von außen, für deren Erstellung es allerdings auch die ein oder andere Kletterpartie brauchte.
| Die Ruine der uralten Schmidtburg |
| Das Keltendorf bei der Schmidtburg |
Danach den Grill angeworfen und vorzügliche marinierte (selber, logo!), entbeinte Hähnchenschenkelkoteletts verspeist, da kam ein guter Schluck gerade richtig!
Nach einer tatsächlich vollkommen ruhigen Nacht wachten wir mit Sonnenschein auf. Was ein seltenes Phänomen dieser Tage! Zügig kam aber Bewölkung auf und so blieb nur der Zeitungsbericht über „Sonnenhaar“, der an dem Freitag zuhause in der Tageszeitung erschien, ein weiterer Sonnenstrahl. Immerhin, es regnete den ganzen Tag nicht! In Gemünden hatte ich einzukaufen und einen Platz mit TV- Empfang zu suchen. Klappte auch, aber dafür quasi kein Netz fürs smartphone… wir waren in der Diaspora gelandet!
Miss Latsch hingegen startete in einen neuen Abschnitt, denn sie verließ jetzt den „Saar- Hunsrück- Steig“ und ging nahtlos über in den „Soonwald- Steig“, aber letztlich auch oder immer noch auch dem E 3. Dass sie die beiden Einzel- Wanderer (die „ohne“ Essen…) erneut traf und überholte, war ganz lustig, und für mich war die (Zitat!) „mangelnde Motivation“ bei einem der beiden nachvollziehbar – aber jeder soll das gerne so machen, wie er mag. In Gemünden, dem Zielort der Etappe, gibt es ein von weitem schmuck aussehendes Schloss, aber es ist in Privathänden und man kann weder nahe hin noch hinein. Ich wollte da nicht wohnen müssen, mir wären die Räume zu rund…
![]() |
| Gemünden schon in Sicht |
| Privatbesitz - Respekt! |
Meine Einkäufe waren allesamt erfolgreich abgeschlossen, so dass wir unseren frühen Hunger mit köstlichsten Lammlachsen und einem gemischten Salat zur Zufriedenheit stillen konnten. Danach gab es nur noch zwei EM- Spiele und rund um uns herum bloß Ruhe, sehr angenehm.
Sonne am hellen Morgen! Der Samstag sollte ein wunderbarer Sommertag werden, und so startete das Fräulein auch schon kurz nach neun Uhr auf die Berg- und- Tal- Etappe bis Argenthal (bei Simmern an der A 61 ist das).
| Na, dann los! |
Sie berichtete, dass sie die Einzel- Wandersfrau Katrin erneut getroffen und ein bisschen geplaudert hatte, aber sonst verlief der letztlich allerdings 27 Kilometer lange Wandertag unspektakulär und ohne Pilzfunde; gerade heute, wo ich für Morgen ein paar Pfifferlinge genommen hätte…
Mein wichtigster Erfolg an dem Tag war, dass ich für die Übernachtung von Sonntag auf Montag einen der beiden Stellplätze eines Weingutes reservieren konnte (für die Insider: Landvergnügen- Connection)! Ich stehe sehr gerne bei Weingütern, weil das meist absolut inmitten der Natur ist und irgendwie immer auch sehr sicher. So einen Weinverkostungsraum müsste es aus meiner Sicht gar nicht unbedingt haben…
Erwartungsgemäß wurde es eine sehr ruhige Nacht auf dem wirklich großen Platz, der unter anderem als Parkplatz für das nahegelegene Schützenhaus dient. Aber einerseits wurde nicht besonders viel geschossen dort, andererseits standen wir doch ein Stück entfernt und letztlich war der Platz um 18 Uhr nur noch von uns belegt, und außer Vogelgezwitscher bis spätabends und ab früh morgens war nichts zu hören mitten im Wald…
Dafür stimmte der Wetterbericht! Wie vorhergesagt begann es gegen halb zwölf zu regnen und ein Gewitter löste das nächste ab, stets verbunden mit mächtigen Regengüssen! Die Wandersfrau nutzte mehrere Schutzhütten, stellte sich im Eingang eines der hier zahlreichen Windräder unter, duckte sich unter den dichtesten Niedrigwald und brauchte aufgrund dieser Verzögerungen am Ende fünf volle Stunden für die Etappe, die sie über 21 Kilometer bis Oberheimbach am Rhein führte. Ich kam pünktlich zum Regenguss in Bacharach an der Versorgungsstation an; fünf Zentimeter hoch im Schlamm stehend, da der ganze Platz dort nicht befestigt ist, das hätte es nicht gebraucht! Mäßig gelaunt erreichte ich dann das Weingut, parkte ein und stellte fest, dass es weder Netz noch Telefonempfang gab, so tief im Nichts waren wir gelandet. Na dann!
Dafür war es sonst perfekt! Die Waldprinzessin nahm eine heiße Dusche und war wieder hergestellt. Hier beendete sie auch ihre Begegnung mit dem „Soonwald- Steig“, denn der E 3 zweigt hier ab und ab Morgen wandert sie auf dem „Taunus- Höhenweg“; das bedeutet gleichzeitig, dass wir bald in Hessen sein werden.
![]() |
| Da kommt Regen! |
Dann geschah es! Die Antialkoholikerin versuchte sich an einer „Scheurebe“ – liebliche Verführung edelsüß, und das war es dann, sie schmolz dahin!
![]() |
| Scheurebenalarm! |
Auch,
weil wir inzwischen sehr gemütlich in der Sonne saßen, die Gewitterfront hatte sich verzogen. Klar
aber, dass sofort der Auftrag zum Einkauf an mich erging! Einerseits war es ein
kleiner Schock für mich, andererseits ist es auch wieder gut, denn das kann ich
zuhause dann selber machen (Rezept: 25 Tropfen eines beliebigen Weißweins, ¼
Safranfaden, 400 g Feinzucker, dann mit Stillem Wasser auffüllen. Es wirkt
authentischer mit einem Korken, geht aber auch so…). Jedenfalls, mein
Einkaufszettel vergrößerte sich schlagartig! Da war es dann auch gut, dass es bald Abendessen gab, diesmal Putenfilet geschnetzelt mit Tagliatelle; war ziemlich gut.
Wie erfreulich, der Montagmorgen empfing uns mit Regen… nachdem wir gefrühstückt und Wein gekauft hatten, versuchten wir, zur Rheinfähre in Niederheimbach zu gelangen, aber wenn du durch eine 2,50 m hohe (was heißt hoch!) Unterführung sollst… naja. Also einige Kilometer weiter flussabwärts und bei Kaub die Fähre genommen, was sehr zügig klappte.
| Eindeutig am Rhein, wo sich Burg an Burg reiht |
Die Wandersfrau nahm ihre Tagesetappe in Angriff und ich machte mich auf einen mühsamen Weg, nämlich nach einem günstig an der Strecke liegenden Platz für die Nacht zu suchen. Daraus wurde sehr lange nichts, bis ich dann – wenn auch sechs Kilometer abseits – immerhin einen idyllischen Waldparkplatz fand.
Wie schnell sie merkte, dass wir wieder in Hessen sind! Schon nach wenigen Kilometern auf dem „Taunus- Höhenweg“ stellte Miss Latsch fest, dass die Beschilderung noch immer so schlecht ist, wie sie schon 2018 auf dem E 1 war! Das wirkte sich heute gleich mal aus, denn nach insgesamt 22 und davon zehn Extra- Kilometern brach sie diese Etappe ab, letztlich fernab vom eigentlichen Weg, weil sie dermaßen fehl geleitet worden war. Nun ja, sie hat ja einen backup und so holte ich sie unterwegs ab.
Dann stellten wir auf meinem ausgesuchten Platz ab, wobei noch herausgefunden wurde, dass der Weg am Folgetag mit Ziel Schlangenbad direkt auf der anderen Straßenseite weiter geht; optimal also.
![]() |
| Schmucke Sicht aus dem WoMo! |
Wir melden uns wieder, wenn uns die Hessen nicht in den Beschilderungswahnsinn treiben, wie gehabt auf diesem Kanal. Bis dahin wünschen wir Euch allen alles Gute und hoffen, dass Ihr richtig tippt bei der EM und ansonsten bei guter Gesundheit bleibt.
Beste Grüße,
Wuschele „Scheurebenschluckspecht“ und „Stellplatzsucher“ Tommy







Kommentare
Kommentar veröffentlichen